Der Dialog im September 2017:
Mehr Transformation wagen!
Warum reagiert die Politik bislang so hilflos
auf die digitale Herausforderung?
 

Die Art wie wir leben und arbeiten wird sich grundlegend ändern. Das ist kein Thema von morgen, die bahnbrechenden Veränderungen stehen direkt an. Branchen, wie die Automobilwirtschaft, werden sich grundlegend wandeln. Nichts wird dort so bleiben, wie es war. Auch in der Politik reden viele über Startups, das Internet der Dinge und die Industrie 4.0, aber oft sind es Sonntagsreden ohne wirklichen Zugang. Warum geht der Breitbandausbau nicht richtig voran? Wie kann es sein, dass viele Behörden immer noch so arbeiten wie 1980? Wie müssen die sozialen Sicherungssysteme umgebaut werden, damit sie auch in der veränderten Arbeitswelt allen Bürger*innen Schutz bieten können? Welche Rahmenbedingungen brauchen wir, damit aus den Chancen der neuen Gründerzeit Millionen zukunftssichere Arbeitsplätze entstehen? 11 Tage vor der Bundestagswahl waren das unsere Fragen bei .Transform im September. 

Im Gespräch:
Dr. Laura Sophie Dornheim  
Bundestagskandidatin von Bündnis 90/Die Grünen in Berlin |
Diplomierte Wirtschaftsinformatikerin
 
Statement:

Wenn eine Regierung die Bewahrung des Immerdagewesenen als ihre Kernaufgabe sieht, muss man sich nicht weiter wundern, dass sie Probleme damit hat, sich mit den Herausforderungen der Zukunft auseinanderzusetzen. Gerade der Union sind die großen Konzerne der Deutschland AG wichtiger als die kleinen Start-Ups aus Kreuzberg. Das Wort von 60-jährigen Vorständen hat noch immer ein unendlich größeres Gewicht als das einer jungen Webentwicklerin. Auch wenn die vielleicht gerade an einer Civi Tech App arbeitet, die Politik aufs Smartphone bringt. Früher war alles besser und früher gab es schließlich auch noch kein Internet. Deswegen arbeitet man politisch lieber daran, wie man die Auswirkungen der Digitalisierung klein hält, statt auszuprobieren, wie man neue Tools und Möglichkeiten für politische und bürokratische Prozesse nutzen kann. Es sind die Aktivist*innen, die mühsam Schritt für Schritt digitale Errungenschaften, z.B. in Sachen Open Data erkämpfen. Ziel der Grünen ist, diese Themen aus der Regierung voran zu treiben.

Ria Schröder
Stellvertretende Bundesvorsitzende der Jungen Liberalen |
Direktkandidatin für die Bundestagswahl in Hamburg-Eimsbüttel

 

Statement:

Deutschland hat seine besten Zeiten noch vor sich. Aber wir müssen uns freimachen von Vorurteilen, Gewohnheiten und     „Das haben wir schon immer so gemacht“. Digitalisierung und politische Umwälzungen verändern alles. Für diese neue Zeit brauchen wir ein neues Denken. Eine Bildungsoffensive für Deutschland, kompromisslosen Glasfaserausbau, digitale Bürgerämter und Flexibilität in der Arbeitswelt, sowie ein echtes Einwanderungsgesetz und bessere Voraussetzungen für Start-Ups. Sehen wir Chancen in den Herausforderungen, suchen wir neue Lösungen und packen wir es endlich an. Dann ist die Zukunft besser als ihr Ruf.

​Philip Hiersemenzel | Clean-Tech-Berater und Autor

 

Statement: 

Die Welt ändert sich noch viel schneller und grundlegender als wir denken, aber wir diskutieren zu oft die Fragen von gestern. Dabei sind die großen Linien längst klar: Energie und Produktion wird immer günstiger - nicht zuletzt dank Deutschland und dem EEG. Gleichzeitig bricht der Zusammenhang von Arbeit und Produktion. Es gibt immer mehr - und trotzdem gehört immer mehr nur ganz Wenigen. Damit stehen wir vor neuen und doch bekannten Fragen: Wie organisieren wir uns möglichst nachhaltig, gerecht und frei?

Jochen König Co-Founder & Managing Director von Cosmonauts & Kings

 

Statement:

Aufgrund der Disruption des politischen Meinungs- und Willensbildungsprozesses  ist die Politik in diesem Bundestagswahlkampf zum ersten Mal in ihrem eigenen Teilsystem konfrontiert. Die Bedeutung von Plattformen wie Facebook als Ort der Informationsgewinnung und -verlinkung für die politische Meinungsbildung stellt die Politik vor die Herausforderung, ihre Inhalte und Kommunikationsstrategien

an die Darstellungs- und Hierarchisierungslogik von Algorithmen anzupassen. Folgt man dem amerikanischen Internetaktivisten Ethan Zuckermann, dann werden in weniger als zehn Jahren nicht mehr Parteien und Politiker das Machtzentrum von politisch kommunikativem Handeln und Entscheiden sein, sondern Plattformen.