Last Christmas.

24/12/2017

 

Selbstverständlich erinnere ich mich noch an die gute, alte Zeit, als Weihnachten noch so schön hektisch und so wunderbar stressig war. 

 

Mittlerweile ist Weihnachten ein Fest der Apps. Die Geschenke habe ich schon im November bestellt, hübsch verpacken und mit Liefergarantie zum 24.12. verschicken lassen. Toll: persönlicher Gruß auf der beiliegenden Karte. Meine Worte, meine Handschrift – eingescannt und auf die Karte gedruckt. Bequem bezahlt mit Pay Pal.

 

Für die Kleinen, die noch an den Nikolaus glauben, habe ich auf der Webseite Santa talks zu einem St Nick-Filmchen einen Gruß aufgenommen: der  – zugegeben nicht sehr gut aussehende, etwas moppelige – aber niedlich animierte Comic-Weihnachtsmann sagt, was ich sage und bewegt synchron seine Lippen. Den nahen Verwandten habe ich etwas Selbstgemachtes geschenkt: ein Photo von mir als Weihnachtsmann, etwas gefotoshopped und verschickt per Wetransfer, im besinnlichen Template. Alle anderen haben ein sehr persönliches Mail von mir bekommen.

 

Und der Weihnachtsbaum? Den habe ich auf Weihnachtsbaumland.de bestellt, samt Kugeln und Kerzen. Er kam pünktlich vor drei Tagen, wurde aufgestellt und geschmückt. Tralallallalalaaala.

 

Eigentlich wollte ich Bringmeister beauftragen, aber eine engelsgleiche Stimme flüsterte mir ins Ohr: „Wir kaufen unsere Lebensmittel dieses Jahr mal wie früher.“ Gehört, getan. Car 2 Go gemietet, zum Bioladen gefahren und ins Gewühl gestürzt. Beim dritten Mal ‚Last Christmas’ und nach einer halben Stunde in der schlechtgelaunten Kassenschlange stand mein Entschluss fest: das war das letzte Mal analog einkaufen.

 

Mittlerweile steigt die Stimmung wieder: ich lese die digitale Tageszeitung, im Flachbildschirm streamt ein Kaminfeuer und es ist zum Fest alles erledigt. Außer ich selbst, wie früher stets zu Weihnachten.

 

Später, wenn dieser Blog geschrieben ist, werde ich noch das Rezept für den Karpfen downloaden und nach dem Essen mit den Eltern skypen.

 

„Ja, aber...“ werden die Ja-Aber-Leute jetzt sagen, „wo bleibt denn da der festliche Zauber?“ Keine Sorge: später besuche ich im Kino noch eine digitalisierte Live-Übertragung des Christmas Spectacular aus der New Yorker Radio City Music Hall. Frohes Fest!

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