Märzkultur: Strafe, Stalin, Krieg und Bella Italia.

Also getreu Ramona Pop („In Berlin ist alles knorke sonst würden ja nicht so viele Leuten her kommen“. Das gilt zwar auch für Kinshasa, aber egal) ein weiterer Blick auf das Kulturleben in unserem dysfunktionalen, aber eben auch interessanten Städtchen: Da gibt es nämlich in der Tat sehr besondere Dinge, zum Beispiel die offizielle Präsentation von Ferdinand von Schirachs neuen Buch „Strafe“ mittels Lesung und Konzert in der Philharmonie. Schirach allein ist schon toll, umso toller ist es wenn er von ganz wunderbaren Kammermusiker*innen, die die Philharmonie auch alleine füllen würden, begleitet, bzw. ergänzt wird. Schirach erzählt hervorragend teils harte, teils durchaus amüsante, fast immer abgründige, Geschichten - und trägt sie gekonnt vor. Obendrein weiß er sich auch mit feiner verbaler Klinge ebenso gekonnt gegen die plumpen Deutungsversuche des offenbar eher kulturfremden Moderators Jörg Tadeusz zu wehren (hier nachzuhören).

 

 

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Deutlich anstrengender war dagegen die Premiere von Rainald Goetz’ “Krieg” im Berliner Ensemble. Laut Programmheft nicht ein, sondern “eigentlich drei Stücke”. Dabei geht es zunächst um äußere, dann um familiäre und schließlich um innere Aggression. Angeblich jedenfalls. So ganz war das alles nicht zu verstehen. Aber egal. Man muss nicht alles verstehen und die Energie der ersten beiden “Stücke” ist durchaus mitreißend. Den finalen Monolog dagegen hat man auch nach 5 Minuten gesehen. Fanden wir jedenfalls und gingen nach Hause.

 

Einen Ausflug wert dagegen ist die noch bis zum 30. Juni laufende Ausstellung "Stalin und die Deutschen" in der Gedenkstätte Hohenschönhausen, die gut und eindringlich über die Verherrlichung Stalins in der DDR informiert.

 

Ebenfalls immer eine Reise wert - und das auch nur bis Weißensee - ist das sehr kleine, um nicht zu sagen winzige, aber eben feine Mies van der Rohe Haus, idyllisch gelegen am innerstädtischen Obersee. Die Doppelausstellung "Sitzen und Liegen 01" läuft zwar nicht mehr, aber das Restprogramm des Jahresthemas "Mies - Sitzen und Liegen" hört sich gut an.

 

Noch kürzer, genau betrachtet sogar mit der M10 zu bewältigen, ist die Reise in die vom Bezirk Pankow betriebene Galerie Parterre. Hier wird gerne etwas Abseitiges, zum Teil leicht Mackiges, aber durchaus Sehenswertes gezeigt. Zuletzt war es "Bella Italia", eine Schau "primitiver Malerei" italienischer "Outsider-Artists". Genauer von sieben, eigentlich sehr "kulturfernen" Bäuer*innen, Handwerker*innen und Arbeiter*innen, die auch die härteste Schicksalslotterie nicht von ihrem Talent fern halten konnte. Inspirierend. Mittlerweile wieder im Museum Haus Cajeeth in Heidelberg zu betrachten - was ja bekanntlich auch immer eine Reise wert ist.

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