Der Mensch braucht Ziele. Fahren wir doch mal nach Magdeburg.

Der Kulturnomade ist nicht nur in der Kulturlandschaft Berlins unterwegs, sondern reist auch gerne mal in andere Städte und (Bundes-)länder. 

 

Anfang März zog es uns nach Thüringen, genauer zur Premiere von "Löwenherz" in der Oper Magdeburg. Magdeburg hat (außer einem immer noch beeindruckenden und sehr wichtigen Dom) leider nicht mehr allzu viel zu bieten. Umso stolzer ist man auf Georg Philipp Telemann, den berühmten Komponisten und Zeitgenossen Händels, einen Sohn der Stadt. Folgerichtig gibt es jedes Jahr Telemann-Festspiele, so auch dieses. Diesmal u.a. mit "Löwenherz", einer Oper, die Telemann in Teilen von Händel übernahm, aber im Auftrag der Hamburger Oper um deutschsprachige Szenen ergänzte, während der übernommene Part weiterhin auf italienisch gesungen wird. Schon deshalb sehenswert.

 

Noch sehenswerter: Die Klosterkirche Unser Lieben Frauen, ebenso in Magdeburg. Sagte ich nicht gerade Magdeburg hätte außer Dom, Oper und Elbe nicht viel zu bieten? Not so fast! Denn mit dem "Kunstmuseum Kloster Unser Lieben Frauen" hat die Stadt Magdeburg sich in einem sehr, sehr alten Kloster sehr geschmackvoll, ein sehr schönes Museum gebaut. Und mit "Lawrence Carroll: As the Noise Falls Away" haben sie gerade auch eine ganz besonders tolle Ausstellung. Die zweite Ausstellung von Philip Toledano (groteske Fotos von gelifteten Menschen) war eher mittel. Ganz mittel war dann die Dauerausstellung im Keller. Sie zeigt eine winzige, aber umso eklektischere Mischung aus römischen Kopien griechischer Stauten, mittelalterlichen Altarbildern, Bronzegüssen aus der klassischen Moderne und alles, was sie halt sonst zufällig haben.

 

"Alles, was sie halt zufällig haben" scheint auch das kuratorische Leitmotiv des lokalen Kulturhistorischen Museums zu sein. Beheimatet in einem typisch wilhelminischen fake-mittelalterlichen Museumskasten (Die Herzen der Plastik-Schloss-Barbarini-Fraktion um Günther Jauch und Matze Döpfner schlagen höher!) hat sich auch drinnen, bzw. an der musealen Präsentation seit Kaisers Zeiten wenig getan. Außer ein paar, kaum funktionalen Touch-Bildschirmen vielleicht. Von moderner, musealer Besucher-Präsentation keine Spur, von Besucherführung ganz zu schweigen. Kann es in dieser Hinsicht mit jedem italienischen Provinzmuseum aufnehmen.

 

 

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