Liebes Verkehrsministerium, wir warten seit 2.850 Jahren auf 5G.

30/01/2019

Es wäre schön, wenn Minister, Politiker, Beamten, Arbeitsgruppen, Ausschüsse und Vorstände nach dieser wirklich sehr langen Zeit nun endlich mal die Voraussetzungen schaffen für die vernetzte Welt. „2.850 Jahre? Ist das nicht ein wenig übertrieben?“, fragen sich und uns die Zweifler. Möglich. Eventuell sind es auch nur 2.750 Jahre, aber in dieser Hinsicht sind wir großzügig. Denn fest steht (was der alte Vordenker Homer in seiner Ilias bereits erwähnte) dass Hephaistos, der Gott des Handwerks, selbstfahrende Fahrzeuge und künstliche Diener*innen, die intelligent waren und ein Handwerk beherrschten, angefertigt hatte. Man stelle sich vor, er hätte 5G zur Verfügung gehabt …

Übrigens: China war zu jener Zeit bereits intensiv mit der Arbeit an Konkurrenzprodukten beschäftigt. Der schon damals globale Wettbewerb führte zu einigen bemerkenswerten Erfindungen. Besonders in Alexandria, dem Innovationszentrum zur Zeit um Christi Geburt. Die Top-Innovationen waren damals Herons Tempeltüren, die sich automatisch öffneten und unsere gute, alte Wasserspülung, die zuverlässig noch heute alle Spuren beseitigt. Die Konkurrenz in Rom versuchte sich in jeder Zeit am Zeitmesser. Die ersten Ideen gingen mit der Zeit allerdings wieder verloren.

 

 Foto: Tomas Yates | Unsplash

 

Die nächste Sprunginnovation initiierte der Kalif von Bagdad - er setzte das griechisch-römische Ringen um die beste Idee ab dem 9. bis zum 13. Jahrhundert fort, was der Welt die Uhr mit Wasserantrieb bescherte. In der Folge eine nicht unumstrittene Erfindung, da der nächste Entwicklungsschritt im 14. und 15. Jahrhundert, die Mechanik, zunächst einmal in gewissen Kreisen als Teufelszeug diskreditiert wurde. Doch unweigerlich kam die Renaissance und mit ihr da Vinci und sein erster Roboter, der im Weiteren als Grundlage für ein Heer beweglicher Figuren diente, die zum Vergnügen der besseren Kreise in Parks zur Musik von Wasserorgeln quietschend und rumpelnd ihre Aufgaben erfüllten. Überall in Europa wurden nun mehr oder weniger sinnvolle Automaten erfunden und beschäftigt. Mitte des 18. Jahrhunderts wurde der erste Schachautomat gebaut, der sich jedoch als Schwindel erwies, da er einen lebendigen, kleinen Mann enthielt. In dieser Zeit wurden zahllose Ohhh- und Ahhh-Automaten zur Welt gebracht: zum Beispiel ein Schäfer, der Flöte spielte, eine Ente, die am Hofe herum watschelte und, zukunftweisend, ein Automat der in einer Fabrik für die Seidenproduktion arbeitete. Industrie 1.0 sozusagen. 

 

Von da an wurde die Geschichte bis heute immer schneller: von der Spieldose bis zum selbstspielenden Klavier, vom Münztelefon bis zum Geldautomaten, vom  Fließbandroboter bis zum selbstfahrenden Auto - inzwischen sind wir bei Industrie 4.0 und dem Internet of Things angekommen. 

 

Fast angekommen. Denn die Begeisterung für Innovation und kühne Ideen wird neuerdings etwas überstrahlt von Kleinmut und Geschichtsvergessenheit. Man stelle sich nur vor, Heron hätte die Verbreitung der Toilettenspülung mit dem Tempo vorangetrieben, wie das Verkehrsministerium 5G. Dann würden wir uns wohl morgens neben dem Plumpsklo waschen …

 

Share on Facebook
Share on Twitter
Please reload

Aktuelle Einträge
Please reload

Kategorien
Archiv
Please reload